Das Camp im Pott

Die Teilnehmer des Verkehrscamps vor dem Unperfekthaus.

Am 11. und 12. März war es endlich soweit: Das erste BarCamp zur Kommunikation von Verkehrsunternehmen und -verbünden fand statt. In Essen trafen sich 70 Teilnehmer des ersten VerkehrsCamps, um sich über Online-Kommunikation und Social Media im Verkehrssektor auszutauschen. Von uns war Markus mit von der Partie, der euch einen Einblick in zwei spannende Tage gibt.

Am 11. März machte ich mich voller Vorfreude auf den Weg mitten in den Ruhrpott. In Essen fand an zwei Tagen das erste »Klassentreffen« mit meinen Kollegen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Ob aus Hamburg, Rostock, Berlin, München, Wiesbaden, Osnabrück, Frankfurt, Stuttgart, Wien oder Innsbruck – die Teilnehmer machten sich kreuz und quer aus dem deutschsprachigen Raum auf nach Essen.

Im »Unperfekthaus« hatten die Organisatoren eine perfekte Location für das erste Camp gefunden. Die zwei Tage wurden als BarCamp abgehalten. Das auch als »Un-Konferenz« bezeichnete Format unterscheidet sich von einer klassischen Konferenz darin, dass die Teilnehmer morgens gemeinsam das Programm zusammenstellen.

Tag eins

So machten wir uns am ersten Tag zu Beginn direkt daran, die Sessions für den ersten Tag vorzuschlagen. Es kam ein kunterbunter Strauß verschiedener Sessions rund um Erfahrungen, Konzepte und Trends aus den Bereichen Social Media und Onlinekommunikation zusammen. Nachdem jeder seine vorgeschlagene Session kurz vorgestellt hatte, konnte jeder vier herauspicken, an denen er teilnehmen möchte. Anschließend wurde das Programm zusammengestellt. In vier Räumen fand zu jeder Stunde eine Session statt – insgesamt kamen so 16 verschiedene Sessions für den ersten Tag zusammen.

Eigentlich war so ziemlich jede Session interessant – nicht nur ich hatte wohl die Qual der Wahl. In der ersten Session von Carlos von den Berliner Verkehrsbetrieben ging es um die Frage »Welche Social Media-Kanäle haben Zukunft?«. Es wurde diskutiert, ob man – da es derzeit »in« ist – auf vielen Kanälen vertreten sein muss oder nicht und ob gerade Facebook der Kanal der Zukunft ist. Wir waren uns größtenteils einig, dass jedes Unternehmen oder jeder Verbund für sich selbst in der Social Media-Strategie festlegen sollte, welcher Kanal bespielt wird und was erreicht werden soll. Die Frage zur Zukunft von Facebook kann nicht eindeutig beantwortet werden, denn wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Aber es geht ja um die Art der Kommunikation – und die wird auch Facebook überleben. Insofern ist man, wenn man Facebook gut beherrscht, auch für die Zukunft gut gerüstet.

In der zweiten Session »Content ist King! Mehr Reichweite auf Facebook« stellte Kathrin vom Verkehrsverbund Stuttgart vor, welche Themen sie bespielt. In der anschließenden Diskussion stellte ich beruhigt fest, dass nicht nur wir oft improvisieren – sondern dass es den meisten so geht. Ein Redaktionsplan hilft zwar, allerdings wird er oft vom Tagesgeschäft überrollt und man schiebt einen Rattenschwanz von geplanten Themen vor sich her. Ich habe für mich mitgenommen, einen langfristigen Redaktionsplan zu den Akten zu legen und ihn eher wöchentlich zu erstellen, aber immer ein paar Themen vorbereitet in der Schublade liegen zu haben. Eigentlich so, wie ich es bisher meistens gemacht habe – jetzt aber ohne schlechtes Gewissen und ganz offiziell 🙂

In der dritten Session des Tages stellten Heinz vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und Sascha von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt ihre Social Media-Monitoring-Tools vor. Der VRR nutzt ein teureres Tool, welches wirklich unendlich viele Möglichkeiten bietet. Die VGF arbeitet mit einem preiswerteren, ähnlichen Tool wie wir, nur das wir unser Tool »Sprout Social« auch gleichzeitig als Redaktionstool nutzen. Für mich steht nach der Session fest, dass der Bereich ganz viele Möglichkeiten bietet, aber es wie bei vielem eine Sache der Finanzen und Ressourcen ist. Wir als eher kleinerer Verbund fahren mit unserem Tool schon ganz gut.

Die letzte Session des ersten Tages drehte sich ganz um Krisenkommunikation. Die hohe Zahl der Teilnehmer zeigte, dass dieses Thema jeden bewegt. Marcel von der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH aus Mannheim stellte zu Beginn eindrucksvoll und unterhaltsam vor, wie sie im Januar 2013 ihre geplante Strategie über Bord warfen und mit ihrer Facebookseite mitten in einer Krise online gingen. Eisregen hatte innerhalb kürzester Zeit alle ihre Bahnen stillgelegt, der Verkehr kam komplett zum erliegen. Der RNV sah darin die Chance und ging mit der in Vorbereitung befindlichen Facebookseite online. Die Kunden honorierten dies und innerhalb von 24 Stunden hatte die Seite über 1.000 Fans. Auch wenn die Kollegen auf manche Frage keine Antwort geben konnten, alleine dass sie da waren dankten ihnen die Fahrgäste. Was habe ich daraus gelernt? Eine Krise wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird und kann auch eine Chance sein.

Nach der letzten Session wurde bis in die Nacht hinein bei Bier oder Wein weiter diskutiert und geklönt. In der WG des »Unperfekthaus«, in der ich mit acht Kollegen und Kolleginnen untergebracht war, wurde am Küchentisch noch was weiter gequatscht und vor allem gelacht. Ganz viele nette Leute habe ich kennengelernt und am Ende fiel ich erschöpft – aber mit vielen Eindrücken in mein WG-Bettchen.

Tag zwei

Am nächsten Morgen wurde dann zunächst wieder das Programm erstellt. Der Abend vorher schien Ideen hervorgebracht zu haben, denn es wurden viele gute Sessionvorschläge gemacht. Auch ich traute mich aus der Deckung und brachte einen Vorschlag ein.

Mit meinem Vorschlag »Nutzung von Foursquare, Pinterest und Instagram« ging es auch gleich los. Ich präsentierte kurz unsere zarten Versuche bei Foursquare, anschließend stellten die Kolleginnen vom Rhein-Main-Verkehrsverbund ihr neuestes Projekt vor, Wanderrouten bei Pinterest einzustellen und mit Foursquare zu verknüpfen. Auf den Start und ihre Erfahrungen bin ich sehr gespannt. Dies wäre auch eine Idee für unsere Wander- und Radrouten im Nationalpark Eifel. Zum Abschluss der Session gab Simon einen Einblick in den Instagram-Kanal der Wiener Linien. Übrigens ganz großer Sport, was die Kollegen aus Wien in ihrem Blog so auf die Beine stellen. Da lohnt sich ein Blick. Es bleibt festzuhalten, dass alle drei Plattformen nicht die Masse erreichen, die Facebook bietet. Aber um sich ein modernes Image zu geben und spezielle Zielgruppen zu erreichen, bieten sich auch Unternehmen und Verbünden gute Möglichkeiten.

In der Session »Spaß und Gamification im ÖPNV« im Anschluss drehte sich alles um die Anwendung spieltypischer Elemente im Nahverkehr. Die Kollegen vom Verkehrsverbund Oberelbe in Dresden haben gute Erfahrungen mit verschiedenen Spielen gesammelt, die Dirk uns kurz vorstellte. Auch der VRR hat mit Spyday – einem Haltestellenagentenspiel – Erfahrungen gesammelt. Ein spannender Bereich, der in Zukunft mit Sicherheit noch die eine oder andere Möglichkeit bringen wird, den ÖPNV attraktiver zu machen.

Auf die letzte Session habe ich mich ganz besonders gefreut, gab doch Thorsten von ESWE Verkehr Einblicke in »YouTube für Verkehrsunternehmen«. Schaut euch den Kanal der Kollegen aus Wiesbaden mal an. Sie sind die YouTube-Könige und stellen monatlich ein sehenswertes Video ein. Im Nachgang war ich mir mit Kollegen aus anderen Verbünden einig, dass Verkehrsunternehmen viel mehr Möglichkeiten haben als Verkehrsverbünde. Obwohl, Ideen habe ich auch – mal sehen, was sich davon mal umsetzen lässt.

Anschließend klangen zwei spannende und interessante Tage bei bestem Wetter auf dem Sonnendeck des Unperfekthauses aus. Bevor wir uns wieder in verschiedene Himmelsrichtungen verstreuten, wurde ausgemacht, dass wir uns jährlich zum Austausch treffen. Von mir an dieser Stelle noch mal einen Dank an die Organisatoren Stefan vom VDV und Coco vom VRR sowie an die Moderatorin Ute. Es hat Spaß gemacht!

Foto: Thorsten Kurz

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