Im Einmann-Bus durchs Wirtschaftswunderland

Ausschnitt aus Titel des Fahrplanbuchs 1959

Was heute selbstverständlich ist, war vor knapp 55 Jahren die Revolution auf den Straßen: der Einmann-Bus. Unser Fundstück der Woche führte die Fahrgäste behutsam an das Ungewohnte heran.

Deutschland in den 50er Jahren: Das Wirtschaftswunder überrollt das Land, es gibt Vollbeschäftigung. An der Tankstelle betankt der Tankwart noch den Wagen, eingekauft wird im Tante-Emma-Laden oder kleinen Stubenladen mit Bedienung und in Bus oder Tram kauft man seine Fahrkarte beim Schaffner. Zum Ende der 50er Jahre kam in Deutschland die Selbstbedienung auf, die ersten Supermärkte eröffneten. Und in den ersten Bussen verschwanden die Schaffner. Auch auf Aachens Straßen tauchte der Einmann-Bus auf.

Dieser wurde im Einmannbetrieb nur vom Fahrer gelenkt, welcher jetzt auch die Aufgaben des Schaffners übernahm und Fahrkarten verkaufte. Diese Situation war für die Fahrgäste ganz neu. Damit mussten sie vertraut gemacht werden, so dass im Fahrplanbuch des Jahres 1959 Tipps für die Fahrt im Einmann-Bus veröffentlicht wurden.

Hinweise zur Nutzung des Einmann-Busses

Die „8 Punkte – die man wissen muß für die Fahrt im Einmann-Bus“ enthalten Dinge, die heute selbstverständlich sind, aber in der damaligen Zeit völlig ungewohnt waren:

  1. Halte Kleingeld vor dem Einstieg bereit.
  2. Steige stets vorne beim Fahrer ein.
  3. Bezahle beim Fahrer.
  4. Gehe gleich weiter ins Wageninnere.
  5. Bediene zeitig den Halteknopf.
  6. Gehe rechtzeitig zur Ausgangstür.
  7. Steige behende [veraltetet: schnell bzw. zügig] ein und aus.
  8. Bleib‘ nicht vor der Tür stehen.

Bei einigen Punkten huscht heute sicherlich ein Schmunzeln über die Lippen, aber andere wären auch heute noch einen Abdruck wert.

Danke an S. Wassen für die Scans aus dem Fahrplanbuch 1959/60.

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